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Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hatte sich mit folgendem Fall zu beschäftigen. Eine Frau wurde angehalten, weil sie offensichtlich betrunken Fahrrad gefahren ist. Der Promillewert lag bei 1,6. Die Frau wurde neben dem Verhängen einer Geldstrafe zu einer MPU, dem sogenannten Idiotentest aufgefordert. Dem kam sie nicht nach und somit wurde ein Fahrverbot verhängt – für alle Arten von Fahrzeugen auf öffentlichem Grund, also auch für das Fahrrad. Die Frau widersprach dem Fahrverbot, doch ihre Klage wurde abgewiesen. Betrunken Fahrrad fahren kann also nicht nur zum Entzug der Fahrerlaubnis für das Auto, sondern auch zum Verbot des Führens jeglicher Fahrzeugarten, auch nicht-motorisierter, führen. Welche Promillegrenzen für Radfahrer gelten und welche Strafen auf Sie warten, wenn Sie alkoholisiert aufs Rad steigen, lesen Sie in diesem Artikel.

Betrunken Fahrrad fahren -Promillegrenzen für Radfahrer

Nach § 316 Strafgesetzbuch (StGB) wird bestraft, wer aufgrund des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, ein Fahrzeug sicher im Verkehr zu führen. Auch als Fahrradfahrer führt man ein Fahrzeug und nimmt aktiv am Straßenverkehr teil. Wenn Sie also betrunken Fahrrad fahren, stellen Sie nicht nur für sich, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer eine Gefahr dar. Sicherlich haben Sie nicht so ein hohes Gefährdungspotential wie ein Autofahrer, der mit erhöhtem Promille-Wert hinterm Steuer sitzt, dennoch drohen Strafen. Die Promille-Grenzen für Radfahrer sind allerdings dem Fahrzeug und dem Gefährdungspotential angepasst. Das Strafmaß ist abhängig vom Promillewert, einem auffälligen Verhalten und davon, ob es zu einem Unfall gekommen ist oder nicht.

Betrunken Fahrrad fahren mit 0,3 bis 1,6 Promille

Werden Sie von der Polizei angehalten und haben bei der Kontrolle einen Promille-Wert zwischen 0,3 und 1,6 Prozent, können Sie nicht gezwungen werden abzusteigen und zu laufen oder gar wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss belangt werden. Die Promillegrenze für Fahrradfahrer wurde im Jahr 1986 auf 1,7 festgelegt und im Laufe der Zeit durch eine Anpassung der Messwertfehlerspanne auf 1,6 gesenkt. Bis zu dieser Grenze können Sie also, gesetzt den Fall, man kann dann wirklich noch fahren, betrunken Fahrrad fahren.

Anders sieht es aus, wenn Sie in diesem Zustand einen Unfall verursachen, in einen verwickelt sind oder eindeutig den Verkehr durch eine extreme Fahrweise gefährden. Hier kann dann schon eine Strafanzeige drohen. Allerdings ist das Durchsetzen dieser sehr aufwändig, da die Polizei nachweisen muss, dass der Unfall oder die extreme Verkehrsgefährdung eindeutig auf den Alkoholkonsum zurückzuführen ist. Gerade bei Unfällen, an denen mehrere beteiligt sind, ist dieser Beweis nicht immer eindeutig führbar. Die Höhe der Geldstrafe, die in solchen Fällen zumeist verhängt wird, variiert mit der Schwere des Unfalles und vor allem dem Promille-Wert. Eindeutig festgelegte Richtwerte für eine Staffelung gibt es hier nicht. Es haben sich aber gewisse Richtwerte aus der langjährigen Praxis ergeben, an denen sich die Polizei orientiert.

Betrunken Fahrrad fahren mit einem Promillewert über 1,6

Ab einem Promille-Wert von 1,6 spielt es keine Rolle mehr, ob Sie Schlangenlinien fahren, eine Gefährdung für den Straßenverkehr darstellen oder einen Unfall verursacht haben oder nicht. Sie haben die Promille-Grenze, mit der die absolute Fahruntauglichkeit definiert ist, überschritten und Sie begehen eine Straftat, wenn Sie betrunken Fahrrad fahren. Werden Sie mit einem Promille-Gehalt ab 1,6 erwischt, dürfen Sie in jedem Fall eine Geldstrafe in ungefährer Höhe eines Monatsgehaltes erwarten. Zusätzlich werden 3 Punkte in Flensburg fällig. Betrunken Fahrrad fahren mit solch hohem Promille-Wert kann aber auch im schlimmsten Fall zum Entzug der Fahrerlaubnis führen. Die Anordnung einer MPU (der bekannte Idiotentest) wie in unserem oben beschriebenen Fall ist beim Fahren mit absoluter Fahruntauglichkeit Standard. Bestehen Sie diesen nicht oder verweigern die Teilnahme, droht ein Fahrverbot. Und zwar nicht nur für das Auto, sondern auch bis zu sechs Monate Fahrverbot mit dem Fahrrad kann als Strafe verhängt werden.

Verstoß Punkte in Flensburg Maßnahmen
Betrunken Fahrrad gefahren mit mehr als 1,6 Promille 3 Geldstrafe

MPU (Medizinisch psychologische Untersuchung)

Auffällig gefahren oder einen Unfall verursacht mit mehr als 0,3 Promille Strafanzeige
Fahrradfahren unter Drogeneinfluss Strafanzeige

MPU

Sollten Sie alkoholisiert mit dem Fahrrad erwischt worden sein und Ihnen droht eine Strafanzeige, zögern Sie nicht, einen Anwalt hinzuzuziehen. Im Falle des Fahrens unter dem Grenzwert von 1,6 Promille muss Ihnen die Untauglichkeit zum Führen eines Fahrzeuges nachgewiesen werden. Ein Anwalt für Verkehrsrecht hilft Ihnen, auch wenn Sie mit absoluter Fahruntauglichkeit vom Rad geholt wurden.

Betrunken Fahrrad farhen

©hiro/Fotolia

Oft gestellte Fragen zum Alkohol auf dem Fahrrad

Gilt die 0,0 Promille- Regel in der Probezeit auch auf dem Fahrrad?

Nein. Die 0,0 Promille-Grenze in der Probezeit gilt nur für das Führen eines Kraftfahrzeuges, also nicht für das Fahrrad, welches als Fahrzeug deklariert ist. Allerdings kann es aufgrund von Verstößen gegen die Regelungen für das Führen eines Fahrrades im alkoholisierten Zustand zu einer Verlängerung der Probezeit kommen.

Darf die Polizei einfach so Kontrollen durchführen?

Kurz und knapp: ja, die Polizei darf das. Im Rahmen allgemeiner Verkehrskontrollen kann die Polizei laut § 36 der Straßenverkehrsordnung (StVO) jederzeit Radfahrer und andere Fahrzeugführer anhalten. Was im Rahmen der allgemeinen Verkehrskontrolle dann überprüft werden darf und was nicht, unterscheidet sich nicht von dem der Verkehrskontrolle eines Autofahrers.

Betrunken Fahrrad fahren- härtere Strafen für Wiederholungstäter?

Schon wer zweimal mit einem Promille-Wert unter 1,6 angehalten wurde, kann ebenfalls mit der Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung rechnen. Das auffällige Verhalten im Verkehr muss aber auch hier eindeutig auf den Alkohol zurückzuführen sein. Diese Regel des zweimaligen Auffällig-Werdens gilt ebenso für Autofahrer, aber auch wer einmal alkoholisiert mit dem Auto und einmal mit dem Rad ertappt wurde, bekommt die Einladung zum Idiotentest.

Hat alkoholisiertes Radfahren Auswirkungen auf den späteren Führerschein?

Ja, denn die Führerscheinstelle hat darüber Kenntnis, auch wenn man noch gar keine Fahrerlaubnis besitzt. Beantragt man nun eine Fahrerlaubnis, kann es nötig sein, dass man ein Gutachten einreichen muss, um seine Fahrtauglichkeit unter Beweis zu stellen. Auch in diesem Fall kommt man also wieder um den umgangssprachlichen Idiotentest nicht herum.

Gelten die Bestimmungen auch für Elektrofahrräder und Pedelecs?

Diese Frage kann nicht ganz eindeutig beantwortet werden. Pedelecs werden gemäß § 1 Absatz 3 StVG den Fahrrädern gleichgestellt. E-Bikes allerdings, die im Unterschied zu Pedelecs mehr als 25 km/h fahren können, werden als Leichtkraftrad, Mofa oder Kleinkraftrad gesehen. Die Abgrenzung zwischen E-Bike und Pedelec ist aber sehr schwierig. Ähnlich wie bei den Inineskates, die erst Jahre nach ihrem gehäuften Aufkommen als besondere Fortbewegungsmittel den Vorschriften für den Fußgängerverkehr unterworfen wurden, muss man da wohl noch etwas Geduld haben, ehe die Feststellung eines Strafbestandes nach genauer technischer Analyse des E-Bikes gemacht werden kann.