Unterlässt es eine Fluggesellschaft bei einer Flugannullierung oder Flugverspätung von mehr als 2 Stunden den Fluggast über seine Rechte nach der Fluggastrechte VO durch Aushändigung eines schriftlichen Hinweises gemäß Art 14 II Fluggastrechte VO zu informieren, so ist die Fluggesellschaft auch verpflichtet, dem Fluggast die durch die Einschaltung eines Rechtsanwaltes entstehenden Kosten zu ersetzen.

Bei den erstinstanzlichen Gerichten ist die Erstattungsfähigkeit vorgerichtlicher Anwaltskosten äußerst umstritten.
Das Landgericht Berlin hat allerdings in einem Berufungsverfahren mit Hinweisbeschluss vom 20.11.2015 darauf hingewiesen, dass die unterbliebene Aushändigung einer Informationsschrift gemäß Art 14 Fluggastrechte VO eine Pflichtverletzung des Beförderungsvertrages darstellt.

Diese Pflichtverletzung berechtige den Fluggast einen Rechtsanwalt zu konsultieren. Die anfallenden Rechtsanwaltskosten seien kausal auf die Pflichtenverletzung der Fluggesellschaft zurückzuführen.

Über die Beratungsgebühr hinausgehend könne der Fluggast auch die bei Beauftragung eines Rechtsanwaltes anfallende Geschäftsgebühr geltend machen, wenn es sich um einen adäquat kausalen Schaden zur Pflichtverletzung handelt. Hierfür spreche, dass ein Fluggast davon ausgehen dürfe, dass eine Fluggesellschaft, welche bereits ihre Informationspflichten zum Erstattungsanspruch verletzt habe, auch nicht ohne anwaltliche Aufforderung bereit sei, den Betrag zu zahlen.

Dem von der Fluggesellschaft erhobenen Einwand der Schadensminderungspflicht stehe entgegen, dass die Fluggesellschaft trotz des Aufforderungsschreibens des Rechtsanwaltes vorgerichtlich keine Ausgleichszahlung erbracht habe.

Nach diesen „klaren Worten“ des Berufungsgerichtes akzeptierte die Fluggesellschaft Ihre Erstattungspflicht und zahlte die vorgerichtlichen Rechtsanwaltsgebühren, um ein Grundsatzurteil zu vermeiden.