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Das Fahren mit Anhänger will gelernt sein. Leicht bricht solch ein Gespann einmal aus, der Anhänger ist nicht richtig angekuppelt und setzt seine Reise alleine fort oder man wird angehalten, weil man zu schnell mit dem PKW -Anhänger-Gespann unterwegs auf den Straßen ist. Es gibt viel zu beachten, wenn man sicher mit einem PKW-Anhänger fahren möchte. Neben den technischen Voraussetzungen benötigt man den richtigen Führerschein bzw. den passenden Anhänger zum Führerschein und man muss sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, die für das Fahren mit Anhänger gelten.

Zudem sollte der PKW-Anhänger selbst den Sicherheitsvorschriften entsprechen und richtig angekuppelt werden. Ein wenig Übung , ehe man eine große Reise mit Anhänger beginnt, schadet im Übrigen auch nicht, denn mit einem Anhänger am PKW fährt es sich doch noch ein ganzes Stück anders als ohne. Und wenn dann noch ein Unfall passiert, dann stellt sich auch noch die Frage, wer und wie für den Schaden aufkommt. Mehr als genug Gründe, sich einmal ausführlich mit dem Thema Fahren mit Anhänger zu beschäftigen.

Fahren mit Anhänger – welchen Führerschein brauche ich?

Mit der Klassenumstellung der Fahrerlaubnis in Deutschland im Jahr 1999 wurden auch die Anhängerführerscheine eingeführt. Je nachdem, welche Fahrerlaubnis Sie haben, dürfen Sie nur einen bestimmten Anhänger an Ihren PKW kuppeln. Fahren mit einem falschen Anhänger, für den Sie laut Ihrer Fahrerlaubnis nicht zugelassen sind, kann eine Straftat sein, denn der Tatbestand Fahren ohne Fahrerlaubnis im Sinne des § 21 des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) ist auch erfüllt, wenn Sie mit einem Anhänger fahren, der nicht von Ihrer Fahrerlaubnisklasse abgedeckt ist. Eine Geldstrafe oder auch eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr kann die Folge sein. Deswegen stellen wir die einzelnen Fahrerlaubnisklassen und die damit verbundenen erlaubten Anhänger vor.

Führerscheinklasse 3

Wer noch eine alte Fahrerlaubnis der Führerscheinklasse 3 besitzt, ist beim Fahren mit Anhänger, wenn man das zulässige Gewicht betrachtet, klar im Vorteil. Es dürfen hier noch Anhänger bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht gezogen werden. Als Gespann sind bis zu 7,5 Tonnen Gesamtgewicht möglich. Dabei kommt es einzig und allein auf die Gesamtmasse an, nicht darauf, wie schwer der Anhänger ist. Das zulässige Gesamtgewicht berechnet sich aus PKW + Anhänger + Ladung.

Führerscheinklasse B

Mit der Einführung der neuen europaweiten Fahrerlaubnisklassen änderten sich auch die Bestimmungen für das Ziehen eines Anhängers. Mit der Fahrerlaubnis Klasse B kann nun, nachdem im Jahr 2013 mit einer großen Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) die Regelungen für das Fahren mit Anhänger vereinfacht wurden, folgende Anhänger fahren:

  • Anhänger bis maximal 750 kg zulässige Gesamtmasse
  • Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse über 750 kg, wenn das ziehende Auto plus Anhänger maximal 3,5 Tonnen beträgt

Die zulässige Gesamtmasse berechnet sich aus dem Leergewicht plus der maximalen Zuladung des Fahrzeugs und Anhängers.

Wenn Sie einen Anhänger ziehen wollen, durch den das zulässige Gesamtgewicht über 3.500 kg steigt, dann benötigen sie eine Erweiterung Ihres Führerscheins der Klasse B. Dafür wurde im Jahr 2013 die Schlüsselzahl 96 eingeführt. Die Fahrerlaubnis wird nach Absolvieren einer siebenstündigen theoretischen und praktischen Prüfung um die Zahl 96 ergänzt. Die Fahrerlaubnis Klasse B 96 ist also keine eigenständige Fahrerlaubnis. sondern berechtigt zum Führen von Gespannen mit einem Anhänger von mehr als 750 kg bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 4.250 kg. Dies klingt erst einmal nach nicht viel Erleichterung, aber sehr viele Wohnwagen-Gespanne fallen genau in diese Kategorie zwischen 3.500 und 4.250 Kilogramm.

Wer noch schwerere Gespanne fahren möchte, der benötigt einen Führerschein der Klasse BE. Mit der Fahrerlaubnisklasse BE können Anhänger bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen gezogen werden.

Wem das noch nicht genügt und er mit seinem Zugfahrzeug der Klasse B Anhänger über 3,5 Tonnen ziehen möchte oder muss, der benötigt die Fahrerlaubnisklasse C1E. Haben Sie diese Klasse in Ihrem Besitz darf die zulässige Gesamtmasse bis zu 12 Tonnen betragen.

Voraussetzung für alle diese möglichen Anhänger und Gesamtmassen ist natürlich immer die im Kfz-Brief vermerkte zulässige Anhängelast Ihres Autos. Dürfen Sie aufgrund dessen nicht mit einem Anhänger über 750 kg fahren, dann nützt in dem Fall auch die Fahrerlaubnisklasse BE oder C1E nichts.

PKW mit einem Anhänger für ein Pferd

© R.Babakin/Fotolia

Fahren mit Anhänger – Technische Voraussetzungen

So wie es wichtig ist, dass Sie nur einen Anhänger mit Ihrem Fahrzeug koppeln, dessen Gewicht auch der eingetragenen zulässigen Anhängelast Ihres Wagens im Kfz-Brief entspricht, so wichtig ist es auch, die technischen Voraussetzungen des Anhängers im Blick zu haben.

Anhängelast des PKW

Grundsätzlich sollten Sie beim Ankupplen eines Anhängers immer beachten, dass das Leergewicht Ihres Fahrzeuges meist das Referenzgewicht des Gesamtgewichts Ihres Anhängers ist. Es gibt einige wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel Geländewagen, bei denen das Anderthalbfache des Leergewichts gezogen werden darf. Die genauen Angaben finden Sie in Ihrem Kfz-Brief. Schauen Sie lieber nach, ehe Sie den Anhänger eine Nummer zu groß kaufen und dann in Gefahr geraten, eine Strafe zu bezahlen.

Maße des Anhängers

Ein Anhänger in der EU darf maximal 2,55 Meter breit sein. Die maximale Länge beträgt 18 Meter. Eine Ausnahme bildet Serbien, wo die maximale Länge lediglich bei 15 Metern liegt.

Bremsen des Anhängers

Nur bei Anhängern mit einem Gesamtgewicht von bis zu 750 kg sind Bremsen keine Pflicht. Das sind meist kleine Einachser, wie man sie zum Transportieren von Abfall oder für Großeinkäufe im Baumarkt verwendet. Anhänger ab 750 kg bis 1500 kg haben eigene Bremsen und auch hydraulische Stoßdämpfer. Meist sind das Auflaufbremsen auf der Deichsel, auf die der Anhänger mit seinem Gewicht drückt, sobald Sie in Ihrem Fahrzeug auf die Bremse treten.

Sicherungsseil

Jeder gebremste Anhänger muss ein Sicherungsseil, das sogenannte Abreißseil, haben. Dieses legen Sie vor Fahrtantritt über die Anhängerkupplung. Es dient dazu, beim Abreißen des Anhängers die Handbremse zu ziehen und so das ungehinderte Davonfahren des Hängers zu verhindern.

Geschwindigkeitsregeln für das Fahren mit dem PKW Anhänger

Mit einem Anhänger können Sie maximal 80 Stundenkilometer schnell fahren. Bei Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit drohen Ihnen Bußgelder. Schon bei einer Überschreitung von 16 km/h gibt es einen Punkt in Flensburg obendrauf, ab 26 km/h zuviel droht sogar ein Fahrverbot. Sie können aber auch eine Tempo-100-Plakette beantragen, die dann am Anhänger angebracht, die Maximalgeschwindigkeit außerorts auf 100 Kilometer pro Stunde erhöht. Dafür muss Ihr Fahrzeug besondere Kriterien erfüllen: ABS muss vorhanden sein, die Reifen des Anhängers müssen für 120 km/h zugelassen und jünger als sechs Jahre sein. Außerdem darf das Zugfahrzeug bis maximal 3,5 Tonnen Gesamtmasse zugelassen sein und der Anhänger muss zwingend mit hydraulischen Radstoßdämpfern ausgerüstet werden.

Unfall mit dem PKW Anhänger – Wer haftet für den Schaden?

Der Anhänger hat sich abgekoppelt oder man ist mit dem gesamten Gespann in einen Unfall verwickelt, hat beim Rückwärtsfahren jemanden gerammt oder Sonstiges. Jetzt geht es darum, dass jemand für den Schaden haftbar gemacht werden und geklärt werden muss, welche Versicherung für den Schaden aufkommt. Sie denken, dass es immer die Kraftfahrzeugversicherung sein muss, denn der Anhänger ist ja in dieser mitversichert? Nein, das stimmt schon seit 2002 nicht mehr. Seit dem Jahr 2002 müssen Anhänger separat haftpflicht- und können kaskoversichert sein.

Anhänger – Haftpflichtversicherung

Aufgrund der steigenden Zahl von Unfällen mit Anhängern wurde die Anhänger-Haftpflichtversicherung zwingend eingeführt. So haften auch die Halter dieser bei Schäden Dritter mit. In welcher Form die Versicherung abgeschlossen werden muss, richtet sich danach, ob der Anhänger privat, geschäftlich oder gewerblich genutzt wird.

Setzen Sie Ihren Anhänger gewerblich ein, so ist er über die Betriebshaftpflicht abgesichert. Dies trifft zum Beispiel auf Gewerbe wie Taxiunternehmen, Kurierdienste oder Speditionen zu. Bei der Nutzung der Fahrzeuge werden Einnahmen generiert.

Geschäftlich genutzte Anhänger sind separat zu versichern. Geschäftliche Nutzung liegt zum Beispiel vor, wenn Handwerker oder Handelsvertreter Anhänger zum Transport benötigen oder Lieferservices Essen damit transportieren. Bei privater Nutzung muss ebenso zwingend eine separate Anängerversicherung abgeschlossen werden. Sie ist aber meist etwas günstiger als die bei geschäftlicher Nutzung.

Es gibt auch Ausnahmen von der Versicherungspflicht. Dies ist der Fall bei nicht zulassungspflichtigen Anhängern (ein Kennzeichen benötigen sie dennoch, es ist grün). Zu diesen Typen zählen zum Beispiel:

  • Anhänger in der Land- und Forstwirtschaft (Spritzgeräte beispielsweise)
  • Pferdeanhänger für Sportpferde
  • Bootstrailer
  • Spezialanhänger (zum Beispiel für Segelflugzeuge)
  • Fahrzeugtrailer für nicht zugelassene Sportfahrzeuge

Eine Versicherung für diese Ausnahmen wird oftmals empfohlen, weil auch bei Nichtankopplung an ein Zugfahrzeug Unfälle passieren können, bei denen dann im Schadensfall die Versicherung des Zugfahrzeuges nicht greift. Ist Ihnen so etwas schon passiert und Sie bleiben auf der Schadensforderung sitzen? Dann holen Sie sich Beratung von kompetenten Anwälten aus der Anwaltssocietät Wegener & Wittkowski. Wir helfen Ihnen mit unserer langjährigen Erfahrung im Verkehrs- und Versicherungsrecht.

PKW Anhänger

© Jeanette Dietl/Fotolia

Welche Versicherung trägt nun den Schaden bei einem Unfall oder einer Beschädigung?

Grundsätzlich wird bei der Regulierung des Schadensfalles bei den Versicherungen zwischen Anhängern in Benutzung und abgestellten Anhängern unterschieden. Geschieht also ein Unfall während  des Fahrens, greift zumeist die Versicherung des Zugfahrzeuges. Es gibt aber auch Grenzfälle, in denen genauer hingesehen wird oder auch bei angekoppeltem Anhänger die Versicherung des Anhängers greift. Zwei Beispiele sollen das illustrieren.

Koppeln Sie gerade Ihren Anhänger ab und er verursacht genau dann einen Unfall oder eine Beschädigung, dann greift die Kfz-Haftpflicht-Versicherung des Zugfahrzeuges. Gemessen wird dies am unmittelbaren zeitlichen und räumlichen Zusammenhang.

Im entgegengesetzten Fall greift die Kfz-Haftpflichtversicherung des Anhängers zum Beispiel, wenn der Anhänger ausbricht, weil er durch Wetterlage oder schlechte Straßenverhältnisse die Spur nicht halten kann.

Freiwillige Kaskoversicherung bei Anhängern

Der Abschluss einer Kasko- oder Teilkaskoversicherung für den Anhänger ist im Gegensatz zur zwingenden Kfz-Haftpflichtversicherung freiwillig. Eine Teilkaskoversicherung kann aber empfohlen werden, um den Anhänger gegen Diebstahl oder auch Vandalismus abzusichern. Vorteilhaft ist eine Teilkasko-Versicherung vor allem für Wohnwagen, die dauerhaft auf einem Campingplatz stehen.

Haben Sie noch Fragen zum Thema Fahren mit Anhänger oder benötigen Sie Hilfe im Schadensfall? Dann nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie in allen Belangen des Verkehrs- und Versicherungsrechtes rund um Ihr Fahrzeug, den Anhänger und darüber hinaus.