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Dass das unerlaubte Entfernen vom Unfallort, umgangssprachlich oft als Fahrerflucht oder Unfallflucht bezeichnet, kein Kavaliersdelikt ist und teils hohe Strafen nach sich ziehen kann, haben wir in unserem Beitrag Fahrerflucht – Strafe bei unerlaubtem Entfernen vom Unfallort im Rechtsjournal schon ausführlich geklärt. Doch was ist eigentlich, wenn man einen Unfall mit einem Wildtier hat und sich einfach davonmacht. Gilt dies dann auch als Fahrerflucht oder ist es bei einem Wildtier eine Ausnahme? Was muss man tun, wenn man einen Wildunfall hat? Wer muss informiert werden und erwarten einen dann auch Strafen? Viele Fragen, auf die wir Ihnen natürlich eine Antwort geben wollen.

Was ist ein Wildunfall?

Ehe wir näher auf das Verhalten bei einem Wildunfall und die eventuellen Strafen, die bei Nichtbeachtung drohen, eingehen, wollen wir erläutern, was ein Wildunfall ist. Wildunfälle sind gar nicht so selten, wie man vielleicht denkt. Laut Angaben des deutschen Jagdverbandes gab es im Jagdjahr 2016/2017 228.500 Unfälle mit Wildtieren. Am häufigsten betroffen sind Rehe, gefolgt von Wildschweinen. Der deutsche Jagdverband erstellt diese Statistik allerdings nur für Schalenwild, also Paarhufer wie Rehe, Wildschweine und Hirsche. Andere Wildtiere wie Dachse, Füchse oder Hasen sind nicht erfasst. Die tatsächliche Anzahl der Wildunfälle dürfte also noch um einiges höher sein.

Als Wildunfall werden Unfälle bezeichnet, bei denen durch die Kollision oder das Überfahren eines Wildtieres ein Schaden am Fahrzeug entstanden ist. Das kommt meist durch größere Tiere zustande. Auch wenn Sie bei einem drohenden Wildunfall ein Ausweichmanöver einleiten und dadurch von der Fahrbahn abkommen und etwa mit einem Baum kollidieren, zählt dies prinzipiell als Wildunfall. Allerdings sind Sie in diesem Falle in der Beweislast und müssen überzeugend vorbringen, dass ein Wildtier an dem Unfall schuld war.

Doch nicht jeder Unfall mit einem wilden Tier ist ein Wildunfall, denn in Deutschland wird zwischen Wildtieren und wildlebenden Tieren unterschieden. Demnach gelten alle zur Jagd freigegebenen Landwirbeltiere, Säugetiere als auch Vögel als Wild. Zusätzlich wird nun noch einmal zwischen Haar- und Federwild unterschieden, denn nur ein Unfall mit Haarwild gilt rechtlich als Wildunfall. Zum Haarwild gehören in Mitteleuropa vor allem:

  • Rehe und Hirsche (Rehwild, Dammwild, Rotwild)
  • Wildschweine (Schwarzwild)
  • Füchse, Marder, Hasen, Waschbären und ähnliche Tiere
  • Fischotter und Seehunde
  • Wisente und Elche

In anderen Regionen der Welt zählen auch Bären, Wölfe, Kängurus oder Opossums dazu. Haben Sie also einen Unfall mit einem Tier, welches zum Haarwild gehört, dann zählt dies als Wildunfall. Demzufolge ist die Kollision mit Vögeln oder kleineren Tieren wie einem Igel oder einer Echse, die nicht dem Jagdrecht unterliegen, kein Wildunfall.

Korrektes Verhalten bei einem Wildunfall

Manchmal kann man auch durch sehr achtsames Fahren einen Wildunfall nicht verhindern. Die Tiere kennen keine Verkehrsregeln und müssen zur Nahrungs- oder Partnersuche unsere Straßen überqueren. Ist es zu einem Unfall mit einem Wildtier gekommen, wissen viele nicht, was sie in der Situation eigentlich machen müssen. Damit es Ihnen nicht so geht, haben wir die wichtigsten Punkte für Sie in einer kurzen Liste zusammengetragen.

  1. Sichern Sie die Unfallstelle durch das Aufstellen eines Warndreieckes und das Einschalten der Warnblinkanlage ab.
  2. Melden Sie den Unfall unverzüglich der Polizei und warten Sie am Unfallort. Diese informiert dann einen Jagdausübungsberechtigten (zuständiger Förster, Jäger), der sich des Tieres annimmt. Melden Sie den Unfall auch, wenn das Tier geflüchtet ist. Es könnte verletzt sein und wird dann vom Jäger oder Förster gesucht und versorgt.
  3. Für die Versicherung ist es wichtig, dass Sie den Unfall dokumentieren. Fotografieren Sie die Spuren auf der Fahrbahn und am Auto.
  4. Lassen Sie sich vom Jäger oder Förster, der vor Ort ist, eine Wildbescheinigung ausstellen, in der auch vermerkt ist, um welches Tier es sich handelte.
  5. Fassen Sie das Tier nicht an. Belassen Sie es an der Unfallstelle. Wildtiere können verletzt sehr gefährlich werden. Außerhalb Europas droht Tollwutgefahr.

Strafen bei Nichtmelden eines Wildunfalles

Bei einem Wildunfall besteht eine Meldepflicht, die vor allem im Zusammenhang mit der Versicherungsleistung, aber auch mit dem Wohl des Tieres steht. Entfernen Sie sich vom Unfallort, ohne den Wildunfall zu melden, handelt es sich allerdings nicht um Fahrerflucht im Sinne des § 142 Strafgesetzbuch (StGB). Es handelt sich bei Wildtieren nicht um ein Rechtsgut oder ein Eigentum. Aber Sie verletzen mit dem Entfernen ohne Meldung das Jagdausübungsrecht des jeweiligen Jagdberechtigten oder des Pächters. In den meisten Bundesländern besteht eine Pflicht zur Meldung eines Wildunfalles, welche in den Landesjagdgesetzen geregelt ist. Doch auch in Bundesländern, in denen diese Pflicht laut Jagdgesetz nicht besteht, wie beispielsweise in Berlin, greift das bundesweit geregelte Tierschutzgesetz. Dieses regelt den Umgang mit Tieren und sieht eine Meldepflicht vor.

§ 17 (TierschG)

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder

2. einem Wirbeltier

a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder

b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden

zufügt.

Entstehen bei einem Wildunfall jedoch Sach- oder Personenschäden bei Dritten, kommt die Fahrerflucht gemäß § 142 StGB zum Tragen. Wenn Sie also durch den Zusammenprall mit einem Wildtier oder auch durch ein Ausweichmanöver Schäden an anderen Personen, Fahrzeugen oder Gegenständen wie Leitplanken, Verkehrsschilder etc. herbeiführen und entfernen Sie sich unerlaubt, also ohne Meldung bei der Polizei, vom Unfallort, begehen Sie Fahrerflucht. Mit welchen Strafen Sie dann rechnen müssen, lesen Sie in unserem Beitrag zur Fahrerflucht.

Vorbeugen eines Wildunfalls

Der ADAC hat in Zusammenarbeit mit dem deutschen Jagdverband eine Broschüre herausgegeben. Unter dem Titel „Besser langsam als Wild“ findet man hier gesammelte Informationen, um Wildunfällen vorzubeugen, Verhaltenstipps und Hinweise rund um das Thema Wildunfall. Die wichtigsten Verhaltensregeln, um einem Wildunfall vorzubeugen, haben wir für Sie zusammengefasst.

  • Grundsätzlich gilt: Fuß vom Gaspedal! Schon bei einer Reduzierung der Geschwindigkeit um nur 20 km/h reduziert sich Ihr Bremsweg merklich.
  • Seien Sie achtsam in unübersichtlichem Gelände, wie Wald- oder Feldrändern.
  • Sehen Sie Wild auf der Straße stehen, dann blenden Sie ab, bremsen kontrolliert und hupen.
  • Rechnen Sie, wenn Sie ein Wildtier sehen, immer damit, dass noch mehr Tiere kommen. Die Tiere sind gesellig und selten allein unterwegs.

Sollte eine Kollision trotzdem nicht vermeidbar sein, dann ist es besser, kontrolliert auf das Tier zu prallen als unkontrolliert und panisch auszuweichen. Fahren Sie weiter geradeaus, belassen Sie die Hände am Lenkrad und bremsen Sie kontrolliert ab.

Für detaillierte Informationen zur Wildunfallprävention empfehlen wir die Fachinformation des ADAC.

Wildunfall und Versicherung - wer zahlt

Wildunfall und Versicherung – wer zahlt und wann?

Bei einem Wildunfall können neben Schäden am Tier, auch Schäden am eigenen Fahrzeug oder an Personen und Gegenständen Dritter entstehen. Dies gilt für einen Zusammenstoß genauso wie für ein Ausweichmanöver. Im Falle eines Unfalles greifen, je nach Schaden, entweder die Kfz-Haftpflicht oder die Teil- bzw. Vollkaskoversicherung. Verursachten Sie Sach- oder Personenschäden an Dritten reguliert die Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden. Bei Schäden am eigenen Fahrzeug ist Ihre Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung zuständig.

Schäden am eigenen Fahrzeug

Inwieweit und in welchem Umfang Ihre Kaskoversicherung für den Schaden am eigenen Fahrzeug bei einem Wildunfall einspringt, können wir pauschal und aus der Entfernung nicht sagen, denn dies hängt stark von Ihrem Vertrag ab. Einige Versicherungen, vor allem Teilkaskoversicherungen zahlen einen Schaden nur, wenn er durch Haarwild zustande gekommen ist. Hier wird das Gesetz sehr eng ausgelegt und ein Wildschaden gilt nur dann als Wildschaden, wenn es sich im strengen Sinne, wie oben erläutert, um einen Wildunfall handelt.

Der Wildunfall muss von Ihnen nachgewiesen werden. Dafür bekommen Sie vom Jagdausübungsberechtigten (Jäger oder Förster) eine Bescheinigung. Zusätzliche Dokumentation durch Fotografien beispielsweise sind empfehlenswert. Außerdem erstellt die Polizei einen Polizeibericht. Die Nachweispflicht wird besonders schwer, wenn der Schaden durch ein Ausweichmanöver entstanden ist. Oftmals wird ein Gutachter herangezogen. Sind Sie gerade im Streit mit Ihrer Versicherung wegen eines Wildunfalles, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an unsere Fachanwälte der Rechtsanwaltskanzlei Wegener in Berlin. Wir beraten Sie und helfen Ihnen gern.

Viele Versicherungen verlangen die polizeiliche Bestätigung, dass der Unfall gemeldet wurde. Doch da Sie oben all unsere Hinweise gelesen haben, werden Sie fortan sicher jeden Wildunfall melden, nicht nur wegen der Versicherung.

Manche Versicherungen haben ihren Schutz bei Wildschäden auch beträchtlich auf andere Tiere als nur Haarwild ausgeweitet und beziehen auch kleinere Tiere, Nutztiere und Federwild mit ein. Prüfen Sie Ihre Versicherungsunterlagen sorgfältig.

Übrigens übernimmt die Teilkaskoversicherung nur Schäden, die am bewegten Auto entstanden sind. Parken Sie Ihren Wagen und ein Wildschwein beschädigt es, gilt dies nicht als Wildunfall oder Wildschaden. Die Vollkaskoversicherung dahingegen deckt auch Schäden am parkenden Auto ab.

Schäden bei Dritten

Für die Schäden, die anderen Verkehrsteilnehmern entstanden oder an Gegenständen wie Autos, Leitplanken oder Schildern aufgetreten sind, greift wie bei jedem Unfall auch beim Wildunfall die Kfz-Haftpflichtversicherung. Dabei ist es egal, ob diese durch ein Ausweichmanöver oder durch eine direkte Kollision entstanden sind.

Wer haftet beim Auffahrunfall?

Etwas komplizierter wird es, wenn es darum geht, wer in die Haftung genommen wird, wenn ein nach Ihnen fahrendes Fahrzeug auf Ihres auffährt, weil Sie wegen eines Wildtieres scharf gebremst haben. Bei einem Auffahrunfall liegt normalerweise die Hauptschuld immer beim Auffahrenden. Bei Unfällen, die durch Wild zustande gekommen sind, kennt das Verkehrsrecht aber auch andere Auslegungen. So kann es beim Auffahrunfall aufgrund des Bremsens für ein recht kleines Wildtier, einem Hasen oder einem Eichhörnchen zum Beispiel sein, dass den Fahrer eine Mitschuld trifft und nicht nur der Auffahrende haftet. Das liegt daran, dass bei kleineren Tieren die Pflicht des Autofahrers auf die Sicherheit im Verkehr zu achten, überwiegt. Dies allerdings wird bei jedem Wildunfall unterschiedlich bewertet, denn jeder Unfall wird einzeln betrachtet und analysiert.