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Die Helmpflicht auf dem Fahrrad ist seit Jahrzehnten ein sehr strittiges Thema. Immer wieder kommt es zu heißen Diskussionen, ob eine Fahrradhelmpflicht sinnvoll ist oder nicht. Dabei haben beide Seiten stets gute Argumente zur Verteidigung ihrer Position. Bevor wir uns mit diesen beschäftigen und darauf eingehen, ob ein Haftungsrisiko bei einem Unfall mit dem Fahrrad beim Fahren ohne Helm besteht und in welchen Ländern eine Fahrradhelmpflicht besteht, eins vorweg: in Deutschland besteht auch im Jahr 2018 noch keine Helmpflicht für Fahrradfahrer, weder generell noch für bestimmte Gruppen. Somit muss man auch kein Bußgeld befürchten, wenn man bei einer Kontrolle angehalten wird und keinen Helm trägt. Allerdings gibt es Urteile, die bei Unfällen das Nichttragen eines Helmes auf dem Fahrrad berücksichtigen. Auf diese Einschränkung gehen wir im Laufe der Erörterung gesondert und ausführlich ein.

Die Debatte um die Fahrradhelmpflicht

Die Debatte um die Helmpflicht für Fahrradfahrer zieht sich, vor allem in Deutschland, schon seit einigen Jahrzehnten hin. Schon in den siebziger Jahren kamen die ersten Diskussionen auf. Und seitdem, kann man sagen, stehen sich Gegner und Befürworter ohne Einigung gegenüber. Die Politik schlägt sich derweil auf keine Seite, sondern argumentiert damit, den Bürgern die individuelle Entscheidungsfreiheit zu lassen und appelliert an die Vernunft. Schauen wir uns die Argumente der beiden Seiten in der Diskussion um die Helmpflicht für das Fahrrad doch einmal genauer an.

Befürworter der Helmpflicht

Argumente für das Tragen eines Helmes sind vor allem, dass diese vor schweren Kopfverletzungen schützen. Kopfverletzungen ziehen oft weitreichende Folgen nach sich, so dass die Befürworter der Helmpflicht durchaus ein nicht zu verachtendes Argument für ihren Standpunkt haben. Länder, in denen die Helmpflicht auf dem Fahrrad eingeführt worden ist, belegen diese Aussagen mit entsprechenden Zahlen. So kam es zum Beispiel in Australien zu deutlich weniger Kopfverletzungen als in Zeiten, in denen die Fahrradfahrer noch keinen Helm tragen mussten. Allerdings hat sich auch die Gesamtzahl der Fahrradfahrer verringert. (mehr dazu lesen Sie im Abschnitt der Gegner der Helmpflicht).

Zudem wird man als Radfahrer durch den Helm, die meist in grellen Farben daherkommen und zusätzlich noch Reflektoren haben, deutlich sichtbarer für andere Verkehrsteilnehmer, vor allem für Autofahrer. Auch ist heutzutage ein Fahrradhelm erschwinglich und stellt somit keine finanzielle Hürde mehr für die Erhöhung der Sicherheit beim Radfahren dar.

Als Radfahrer sei man gefährdeter als andere Straßenverkehrsteilnehmer und schon allein deswegen müsse das Tragen eines Fahrradhelmes zur Pflicht werden.

Gegner der Fahrradhelmpflicht

Oben genannte Gründe sind also doch wirklich kein schlechtes Argument zum Tragen eines Helmes, auch wenn dieser nicht Pflicht ist. Und trotzdem radeln nur zwischen sieben und zwölf Prozent der Radfahrer mit Helm. Unter den 17- bis 30-jährigen bewegt sich die Zahl eher bei sieben Prozent. Je älter die Menschen sind, die auf dem Rad unterwegs sind, desto höher wird die Prozentzahl der Helmträger. Aber sie ist eben doch noch verschwindend gering. Warum dies gar nicht so schlimm ist, zeigen die Argumente der Gegner der Helmpflicht auf dem Fahrrad auf.

Bei der Diskussion um die Helmpflicht auf dem Fahrrad tauchen auf der Contra-Seite mehrere Punkte auf. Ein immer wiederkehrendes Argument ist die Behauptung, dass es durch das Tragen eines Fahrradhelmes zu Nebenwirkungen kommen kann, die die erhöhte Sicherheit durch den Helm bei Unfällen durch risikoreichere Verhaltensweisen und fehlerhaftes Tragen des Schutzhelmes wieder aufheben oder sogar noch vergrößern würden.

Menschen würden so eventuell zu einem riskanteren Fahrverhalten neigen, sich durch den Helm also zu sicher fühlen. Auch die anderen Verkehrsteilnehmer könnten in ihrer Aufmerksamkeit nachlässiger werden, da die Fahrradfahrer ja nun durch ihren Helm geschützt sind. Doch solch ein Helm kann eben nicht alle Risiken beseitigen und er verhindert auch keine Unfälle, sondern nur schwerste Verletzungen am Kopf und Hirntraumata.

Helmpflicht auf dem Fahrrad führt zu weniger Radfahrern

Zudem wird befürchtet, dass der Zwang zum Tragen eines Helmes noch weitreichendere sozialwirtschaftliche Folgen haben wird. Menschen lassen sich ungern zu etwas zwingen und verzichten dann lieber auf das Fahrradfahren, als dass sie sich einen Helm aufsetzen. Diese Argumentation ist nicht aus den Wolken gegriffen. In unserem obigen Beispiel in Australien gingen ja eindeutig die Unfälle mit Kopfverletzungen zurück, allerdings aber eben auch die Zahl der Radfahrer generell und das nicht nur leicht, sondern wirklich drastisch. Im Übrigen sanken zwar die Unfälle mit Kopfverletzungen (aufgrund des Helms), aber die Zahl der Unfälle insgesamt mit Radfahrern stieg an. Radfahrer wurden und werden also zu einem Verkehrsteilnehmer, der nicht mehr so präsent und deswegen ungewohnt in seinem Auftreten und Verhalten wird. Dies führe zu mehr Unfällen, an denen sie beteiligt sind.

Zu guter Letzt widerlegen einige Zahlen auch die Vermutung der besonderen Gefährdung der Radfahrer als Verkehrsteilnehmer. Fußgänger sind weit häufiger in Unfälle verwickelt und deutlich gefährdeter als Radfahrer. Diese müssten, folge man der Argumentation der Helmbefürworter, dann ja ebenso einen Helm tragen und sogar noch dringender als die Fahrradfahrer.

Die Position des ADFC zur Fahrradhelmpflicht

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat zur Helmpflicht auf dem Fahrrad eindeutig Stellung bezogen und steht dieser skeptisch gegenüber. Mehrfach hat sich der ADFC gegen eine Helmpflicht für Radfahrer ausgesprochen. Im Beschluss der Bundeshauptversammlung vom 23./24.05.98 in Berlin heißt es:

Der ADFC geht gegen jegliche Bemühungen vor, eine Helmpflicht herbeizuführen. Speziell spürbaren Tendenzen, das Fahrradfahren ohne Helm als unverantwortbar gefährlich darzustellen und so eine mögliche Helmpflicht heraufzubeschwören, wird der ADFC künftig mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln aktiv entgegentreten, um ernsthafte Forderungen nach einer Helmpflicht gar nicht aufkommen zu lassen.

Dazu gehört insbesondere:

Er bemüht sich darum, die Helmdiskussion auf wissenschaftlich fundierte Grundlagen bezüglich Nutzen und Grenzen der Schutzwirkung von Helmen zu stellen und insbesondere auch kritische wissenschaftliche Veröffentlichungen als Gegenargumente zu einer möglichen Helmpflicht zu sammeln und bekannt zu machen.

Auf Grundlage dieser wissenschaftlich fundierten Argumentation bemüht er sich darum, bei Institutionen – Versicherungen, Ministerien, Verbänden, Multiplikatoren, Medien – Tendenzen entgegenzutreten, die einen sozialen oder juristischen Druck zum Helmtragen erzeugen.

Bei Helmberatungen und Helminfos des ADFC wird grundsätzlich auch über wissenschaftlich fundierte Zweifel an der Schutzwirkung und Notwendigkeit von Helmen berichtet, so sie bekannt sind.

Kin auf dem Fahrrad mit Helm

© bg-pictures/Fotolia

Helmpflicht für Kinder auf dem Rad

Auch für Kinder gilt in Deutschland keine generelle Helmpflicht, wenn sie mit dem Fahrrad unterwegs sind. Allerdings sieht man, vor allem bei den Sechs-bis Zehnjährigen, immer häufiger einen Helm auf dem Kopf. Mehr als 75 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe fahren mit Fahrradhelm. Dies ist sicherlich auf die besondere Fürsorge durch die Eltern zurückzuführen, die der generellen Empfehlung, die Kinder nur mit Helm fahren zu lassen, folgen.

Probleme mit der Versicherung beim Fahren ohne Helm?

Bei einer Empfehlung für das Tragen eines Helms beim Fahrradfahren stellt sich allerdings neben der Frage nach dem Schutz der Gesundheit, auch eine versicherungstechnische Frage nach haftungsrechtlichen Nachteilen, wenn man in einen Unfall verwickelt wurde und Verletzungen davon trägt. Mehrere Gerichte entschieden in den vergangenen Jahren auf eine Mitschuld des Fahrradfahrers an den Folgen des Unfalls gemäß § 254 BGB, weil kein Helm auf dem Fahrrad getragen wurde. Vor allem Rennfahrer sind vor einer solchen Einschätzung nicht gefeit. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes München mit dem Urteil vom 03.03. 2011-24 U 384/10 legt hier die Argumentationsgrundlage für Entscheidungen weiterer Gerichte in ähnlichem Sachverhalt.

Demgegenüber sind Freizeitfahrer nicht verpflichtet, einen Fahrradhelm zu tragen, auch nicht unter dem Aspekt des Mitverschuldens. Das Oberlandesgericht Düsseldorf traf zum Beispiel ein Urteil mit der Begründung, dass man einem herkömmlichen Freizeitfahrer nicht ohne Weiteres abverlangen kann, einen Schutzhelm zur Unfallvorsorge tragen zu müssen.  (Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 18.06.2007, Az. 1 U 278/06, vergleiche auch: Oberlandesgericht Saarbrücken, Urteil vom 09.10.2007, Az. 4 U 80/07).

Urteile zur generellen Fahrradhelmpflicht und der Haftung im Schadensfall

Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein hat in einem Urteil vom 05.06. 2013 (7 U 11/12) diese Unterscheidung zwischen Rennfahrern und Freizeitfahrern aufgehoben und ein grundsätzliches Mitverschulden wegen Nichttragens eines Fahrradhelmes angerechnet.

Der Fall der Fahrradfahrerin, deren Ansprüche aufgrund dessen um 20 Prozent gekürzt worden sind, wurde jedoch durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes wieder aufgehoben. Im Urteil vom 17.06. 2014 heißt es, dass zum Zeitpunkt des Unfalles weder eine Helmpflicht bestand, noch das Tragen eines Schutzhelmes zur Unfallzeit zum eigenen Schutz erforderlich gewesen sei.

Fahrradhelmpflicht Gefährdung eines Radfahrers durch Autofahrer

© Dan Race/Fotolia

Fahrradhelmpflicht in anderen Ländern

Bei weitem nicht alle Länder überlassen es den Bürgern, selbst zu entscheiden, ob sie einen Fahrradhelm tragen wollen oder nicht. In nicht wenigen Ländern gilt eine Fahrradhelmpflicht, vor allem für Kinder. Wir haben Ihnen eine Tabelle für Europa mit Bußgeldern und eine Liste für den Rest der Welt zusammengestellt, so dass Sie sich schnell einen Überblick verschaffen können.

Helmpflicht auf dem Fahrrad in Europa

Land Helmpflicht für Bußgeld
Österreich Kinder unter 12 Jahren
Frankreich Kinder unter 12 Jahren Bis 135 Euro
Schweden Kinder unter 15 Jahren 55 Euro
Finnland Helmpflicht für alle Radfahrer
Island Kinder unter 15 Jahren
Kroatien Kinder unter 16 Jahren
Slowenien Kinder unter 15 Jahren
Slowakei Kinder unter 15 Jahren, außerhalb geschlossener Ortschaften alle Radfahrer
Spanien Alle außerhalb geschlossener Ortschaften (nicht bei langen Steigungen und hohen Temperaturen) 90 Euro
Tschechien Kinder unter 18 Jahren
Estland Kinder unter 16 Jahren

 

Fahrradhelmpflicht auf der Welt

In vielen anderen Ländern der Welt gelten Vorschriften für das Tragen eines Fahrradhelmes. Meist betreffen diese Regelungen Kinder und Jugendliche unter 13 bzw. 16 Jahren. In Südafrika und Australien gilt eine generelle Pflicht zum Tragen eines Fahrradhelms für alle Radfahrer. Länder mit der Pflicht eines Helmes beim Radfahren für Kinder sind unter anderem:

  • USA (38 Bundesstaaten)
  • Südkorea
  • Japan
  • Neuseeland
  • Malta
  • Litauen
  • Israel (bis 18 Jahre)

Helmpflicht auf anderen Fahrzeugen

Im Gegensatz zu den Fahrrädern besteht für andere Zweiräder in Deutschland und in vielen anderen Ländern, wie zum Beispiel der Schweiz, eine generelle Helmpflicht. Seit 1976 besteht die Helmpflicht für Fahrer und Beifahrer von Krafträdern und offenen drei- oder mehrrädrigen Kraftfahrzeugen, die keine Sicherheitsgurte haben, ab einer bauartbedingten Geschwindigkeit von mehr als 20 km/h. Festgeschrieben ist dies in § 21a Abs. 2 StVO.  Auch Mopedfahrer unterliegen der Helmpflicht seit 1978.

Festzuhalten ist also, dass es in Deutschland keine gesetzliche Vorschrift zum Tragen eines Fahrradhelmes gibt. In anderen Ländern sollten Sie sich, vor allem, wenn Sie mit Kindern unterwegs sind, vorab unbedingt informieren, sonst drohen teils hohe Bußgelder. Werden Sie in einen Unfall verwickelt, kann es, wie im Fall der Radfahrerin in Schleswig-Holstein, dazu kommen, dass versucht wird, Ihnen eine Mitschuld an den Folgen eines Unfalles zu geben. Kontaktieren Sie in solchen Fällen immer einen Anwalt. Unsere Experten für Verkehrs- und Versicherungsrecht von der Anwaltssocietät Wegener & Wittkowski stehen Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Zögern Sie nicht, Kontakt mit uns aufzunehmen, auch wenn im Ausland ein Bußgeld gegen Sie verhängt wurde.