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Vielen jungen Autofahrern fehlt es verständlicherweise an Erfahrung und Fahrpraxis. So verwundert es nicht, dass bei circa einem Fünftel der Unfälle mit Personenschaden 18- bis 24-Jährige als Führer des Fahrzeugs beteiligt sind. Begleitetes Fahren mit 17 soll durch den mäßigenden Einfluss der Begleitperson auf den jungen Kraftfahrzeugfahrer dazu beitragen, das hohe Unfallrisiko zu senken. Das Mindestalter für den Erwerb des Führerscheins für die Klassen B und BE ist daher seit 2011 bundesweit auf 17 Jahre gesenkt worden. Wie man den Führerschein mit 17 bekommt, welche Bedingungen für den BF17 gelten und welche Strafen warten, wenn man gegen die Bedingungen verstößt oder einen Unfall hat, erläutern wir in diesem Beitrag.

Begleitetes Fahren mit 17 – Vom Modellversuch zum bundesweiten Dauerrecht

Was nun bundesweit für alle gilt, begann ursprünglich mit einem Modellversuch des Landes Niedersachsen im Jahr 2004. Entgegen einer anderen Idee eines Sicherheitstrainings für Fahranfänger, welches bei erfolgreichem Absolvieren die Probezeit verkürzt, die von anderen Bundesländern und dem ADAC vorangetrieben werden sollte, startete Niedersachsen am 30. April 2004 seinen eigenen Modellversuch zum begleitendem Fahren ab 17. Zusammen mit einer Forschungsgruppe der Justus-Liebig-Universität Gießen wurde der Versuch durchgeführt, wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Die Regeln, mit denen der Modellversuch lief, waren noch etwas andere als die, die jetzt im bundeseinheitlichen Modell gelten.

Die Begleitpersonen im Modellversuch in Niedersachsen mussten Erziehungsberechtigte des Minderjährigen sein. Weitere Bedingungen gab es nicht. Natürlich mussten die Teilnehmer zustimmen, dass ihre Daten wie Unfälle oder Punkte in Flensburg aufgenommen und ausgewertet werden dürfen. Das Ergebnis des Modellversuches wurde im Juli 2007 verkündet und wartet mit positiven Auswirkungen auf. Demnach wurden von den Teilnehmern mit Begleitpersonen am Steuer 28,5 Prozent weniger Unfälle verursacht und 22,7 Prozent weniger Verkehrsverstöße begangen als von den Fahranfängern der Kontrollgruppe.

Begleitetes Fahren mit 17 Icon

Gesetzesgrundlage für eine bundeseinheitliche Regelung für das Autofahren ab 17

Schon im Jahr 2005, am 17. Juni, hat der Bundestag einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes eingebracht, der den Weg für eine bundeseinheitliche Regelung des Fahrens mit 17 ebnen sollte. Am 8. Juli 2005 stimmte der Bundesrat diesem Ansinnen zu. Mehr und mehr Bundesländer begannen begleitetes Fahren mit 17 einzuführen und zu testen. Als Rechtsgrundlage dienen zum einen § 48a Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) und zum anderen § 6e Straßenverkehrsgesetz (StVG). Beide sind neu geschaffen worden. Auch Niedersachsen übernimmt die Bundesregeln zum Begleitenden Fahren. Als letztes Bundesland führt Baden-Württemberg begleitetes Fahren zum 1. Januar 2008 ein. Es setzt sich durch und wird mit Wirkung zum 1. Januar 2011 von der befristeten Regelung zu einem Dauerrecht in der Bundesrepublik Deutschland.

Begleitetes Fahren – die Regeln

Wer mit 17 schon Autofahren will, muss dies beantragen. Die Erziehungsberechtigten müssen dem Antrag zustimmen. Natürlich muss auch für die Berechtigung für das Führen eines Fahrzeuges mit 17 Jahren eine theoretische und praktische Fahrprüfung abgelegt werden. Die Fahrschule gehört also auch für Minderjährige zwingend dazu. Die theoretische Prüfung kann frühestens 3 Monate  und die praktische Fahrprüfung frühestens einen Monat vor Vollendung des 17. Lebensjahres abgelegt werden. Nach erfolgreichem Bestehen der praktischen Prüfung bekommt der Fahrschüler eine Prüfbescheinigung. Dies ist noch nicht die Bescheinigung zum Fahren mit 17. Diese heißt Prüfungsbescheinigung und kann dann erst mit Vollendung des 17. Lebensjahres mittels der Prüfbescheinigung bei der Verkehrsbehörde abgeholt werden.

Mit der Aushändigung der Prüfungsbescheinigung erwirbt man die Fahrerlaubnis der Klasse B und automatisch wird auch eine für die Klassen AM und L erteilt. Zeitgleich beginnt die Probezeit nach § 2a des StVG, sollte die Person nicht schon im Besitz einer Fahrerlaubnis der Klasse A1 sein, für die die Probezeit mit dem Erhalt dieser begonnen hat. Die Probezeit läuft wie beim normalen erstmaligen Erhalt der Fahrerlaubnis zwei Jahre.

Prüfungsbescheinigung Begleitetes Fahren ab 17

Bedingungen beim Autofahren mit 17

Ist man nun stolzer Besitzer des rosafarbenen DIN A5 -Dokuments mit dem Namen Prüfungsbescheinigung, darf man bundesweit ausschließlich in Begleitung hinter das Lenkrad. Deswegen heißt der Führerschein mit 17 auch offizielle Begleitetes Fahren (abgekürzt BF17). Es darf aber nicht einfach irgendeine Person mitfahren, sondern nur die Personen, welche vorher im Antrag namentlich benannt worden sind. Der Personenkreis kann aber nachträglich noch erweitert werden. Die Anzahl der Begleitpersonen ist unbegrenzt.

Die Prüfungsbescheinigung, die man bei Vollendung des 17. Lebensjahres und bestandener praktischer Fahrprüfung erhält, befähigt zum Führen eines PKW bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Dann bekommt man die allgemeingültige Scheckkarte und darf auch ohne Begleitperson fahren. Diese bekommt man aber nicht automatisch, sondern muss sie ebenfalls beantragen. Die Prüfungsbescheinigung ist nur bis drei Monate nach Vollendung des 18. Lebensjahres gültig. So muss man den Antrag auf den Kartenführerschein unbedingt rechtzeitig stellen. Sie enthält kein Lichtbild, sodass ein amtliches Ausweisdokument immer mitzuführen ist.

Führerschein mit 17 im Ausland

Die Prüfungsbescheinigung für das Begleitete Fahren ab 17 ist lediglich in der Bundesrepublik Deutschland ein anerkanntes Dokument zum Führen eines Fahrzeuges unter dem vollendeten 18. Lebensjahr. Im Ausland wird dieses Dokument nicht anerkannt. Lediglich in Österreich gilt eine Ausnahme. Hier wird das rosafarbene Dokument bis zum 18. Geburtstag anerkannt, allerdings nicht wie in Deutschland noch 3 Monate darüber hinaus.

Die Begleitperson

Unabdingbar beim Fahren mit 17 ist die Begleitperson. Für diese gelten strenge Regeln. War es im niedersächsischen Modellversuch noch egal, ob die Begleitperson überhaupt eine Fahrerlaubnis besaß oder ob sie fahrtauglich war, ist dies nun einheitlich geregelt. Die Begleitperson muss:

  • über 30 Jahre alt sein
  • seit mindestens fünf Jahren eine gültige Fahrerlaubnis der Klasse B besitzen
  • Maximal einen Punkt im Fahreignungsregister haben

Außerdem darf die Begleitperson während des Fahrens nicht über 0,5 Promille Alkohol im Blut haben und auch sonst nicht in irgendeiner Weise unter dem Einfluss von Rauchmitteln stehen.   In § 48a Absatz 4 Ziffern 1 und 2 FeV ist genau geregelt, wie die Begleitperson den Fahranfänger unterstützen soll:

(4) Die begleitende Person soll dem Fahrerlaubnisinhaber
1. vor Antritt einer Fahrt und
2. während des Führens des Fahrzeugs, soweit die Umstände der jeweiligen Fahrsituation es zulassen,
ausschließlich als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, um ihm Sicherheit beim Führen des Kraftfahrzeugs zu vermitteln. Zur Erfüllung ihrer Aufgabe soll die begleitende Person Rat erteilen oder kurze Hinweise geben.

Die Begleitpersonen müssen an einer Überprüfung im Rahmen der Antragstellung auf Begleitetes Fahren BF17 oder umgangssprachlich den Führerschein mit 17 teilnehmen. Die Begleitpersonen müssen bei Antragstellung namentlich genannt werden. Es ist auch später noch möglich, weitere hinzuzufügen.

Strafen bei Verstößen gegen die Auflagen des BF17

Die Prüfungsbescheinigung muss immer mitgeführt werden, ebenso ein amtliches Ausweisdokument. Fehlt eines von beidem bei einer Kontrolle, wird ein Verwarnungsgeld in Höhe von 10 Euro fällig.

Richtig teuer und schmerzhaft wird es, wenn ohne eingetragene Begleitperson gefahren wird. Dann droht ein Bußgeld in Höhe von 70 Euro und ein Punkt im Fahreignungsregister. Doch das ist noch nicht alles! Die Bescheinigung wird eingezogen und die Fahrerlaubnis für die Klassen B und BE wird widerrufen. Die Fahrerlaubnis für die Klassen L und AM sind vom Widerruf nicht betroffen. Hier erhält man dann einen normalen Kartenführerschein. Will man den Widerruf wieder aufheben, muss man an einem Aufbauseminar teilnehmen.

Begleitetes Fahren und Haftung bei einem Verkehrsunfall

Wie ist es eigentlich, wenn eine minderjährige Person beim begleiteten Fahren in einen Verkehrsunfall verwickelt ist? Hier haftet nicht die Begleitperson. Sie fährt ja nicht, sondern ist als Berater an der Seite des Fahrers. Es haften grundsätzlich im Falle eines Verkehrsunfalles der Fahrer, der Halter des Fahrzeuges und die Versicherung. Die Versicherung wird den Schaden in der Regel ersetzen. Haben Sie spezielle Fragen zum Führerschein mit 17 oder einen konkreten Schadensfall, ist die Fahrerlaubnis für Begleitetes Fahren widerrufen worden und Sie wollen den Widerruf aufheben? Dann kontaktieren Sie unsere spezialisierten Fachanwälte der Anwaltssocietät Wegener und Wittkowski. Wir beraten Sie gern und helfen Ihnen weiter.