Auf Deutschlands Straßen passieren jeden Tag viele Unfälle. Glücklicherweise kommen die meisten Verkehrsteilnehmer mit einem Blechschaden davon. Die Unfälle mit den geringsten Schäden passieren wahrscheinlich auf Parkplätzen. Das liegt daran, dass hier kein fließender Verkehr besteht, die Autos fahren normalerweise recht langsam und es gilt sowieso schon das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Und dennoch sind Anrempler, Kratzer und Beulen keine Seltenheit, denn auf Parkplätzen ist es besonders eng und man kann oft sehr wenig nach hinten einsehen. Besonders ärgerlich ist es, wenn man nach dem Parken zu seinem Pkw zurückkehrt und die Beule entdeckt, aber weit und breit kein Schuldiger zu finden ist. Reicht dann ein Zettel an der Windschutzscheibe mit Namen und Versicherungsdaten oder Telefonnummer? Wie muss man sich verhalten, wenn ein Parkplatzunfall passiert ist? Muss die Polizei gerufen werden? Muss man auf den anderen Kraftfahrzeugbesitzer warten, weil man sonst Unfallflucht begeht? Diesen Fragen und Fragen zum Versicherungsschutz bei Parkplatzunfällen wollen wir uns in diesem Blogbeitrag widmen.

Was muss ich bei einem Parkplatzunfall tun?

Auch wenn bei einem Parkplatzunfall meist kein großer Schaden entsteht, sind diese Unfälle genauso meldepflichtig wie alle anderen Unfälle im fließenden Verkehr auch. Dies gilt sogar, wenn Sie keinen sichtbaren Schaden am anderen Fahrzeug entdecken können. Sie müssen sich beim Fahrzeugbesitzer melden. Tun Sie das nicht, begehen Sie Fahrerflucht und dies kann schwere Konsequenzen nach sich ziehen. Dies gilt allerdings nicht auf privaten Parkplätzen, die beispielsweise mit einer Schranke gesichert und somit nicht der Allgemeinheit zugänglich sind, denn der Strafbestand Unfallflucht entsteht in dem Sinne nur, wenn er im öffentlichen, sowohl fließenden als auch ruhenden Verkehr sich ereignet.

Wie Sie sich verhalten müssen, um einer Strafe wegen Unfallflucht zu entgehen, lesen Sie in unserem ausführlichen Beitrag Fahrerflucht – Strafe bei unerlaubtem Entfernen vom Unfallort In diesem gehen wir auch detailliert auf die Wartezeit am Unfallort ein. Sind Sie also selbst der Unfallverursacher, haben Sie in der Wartezeit, die Sie einhalten müssen, ausreichend Zeit, um den Unfall und die Schäden zu dokumentieren. Machen Sie am besten auch Fotos von den Fahrzeugen und der Situation. Taucht der Geschädigte nicht im Rahmen einer angemessenen Wartezeit auf, können Sie dennoch nicht einfach den Unfallort verlassen. Sie müssen die Polizei informieren, die Ihre Daten aufnimmt und den Geschädigten ermittelt.

Tipp: Auch wenn Sie selbst einen Wagen touchieren, aber keinen Schaden erkennen können, geben Sie das bei der Polizei zu Protokoll. Ein Zeuge könnte den Unfall gesehen haben und selbst eine Anzeige erstattet haben.

Verhalten bei einem Parkplatzunfall, wenn Sie selbst der Geschädigte sind

Sie gehen seelenruhig zu Ihrem Wagen und entdecken einen Kratzer oder eine Beule. Ihnen ist jemand ins Auto gefahren und dieser ist weit und breit nicht zu sehen. In diesem Fall kann es sein, dass derjenige Unfallflucht begangen hat, aber auch, dass er die Polizei hinzugerufen und den Schaden hat aufnehmen lassen. Egal, wie es sich verhält, Sie wissen es nicht und sollten unverzüglich die Polizei rufen. Bringen Sie den Schaden zur Anzeige. Die Polizei nimmt ihn auf und dokumentiert den Schaden. Dies ist wichtig, wenn Sie das Geld für die Reparatur von Ihrer Versicherung haben wollen. Auch Sie selbst sollten Schaden sorgsam dokumentieren, damit die Versicherung die Regulierung übernimmt.

Treffen Sie den Unfallverursacher noch am Unfallort nach dem Parkplatzunfall an, dann tauschen Sie mit ihm alle wichtigen Daten aus. In diesem Fall ist es oft unnötig, die Polizei zu rufen. Verständigen Sie nicht die Polizei, dann sollten Sie unverzüglich gegenseitig einen Europäischen Unfallbericht ausfüllen. Der weitere Vorteil des Unfallberichtes liegt aber auch darin, dass hier alle wichtigen Daten aufgenommen werden können vom Namen, den Versicherungsdaten bis hin zu einer Unfallskizze.

Wichtige Daten, die Sie vom Unfallverursacher erheben sollten:

  • Name und Anschrift
  • Kennzeichen des Kfz
  • Telefonnummern
  • Versicherungsdaten
  • Tatzeitpunkt
  • Tathergang (schriftlich festgehalten in Notizen)
  • ggf. Fahrzeugtyp und Marke

Parkplatzunfall und Versicherung

Sehr häufig beschäftigen wir uns in der Anwaltskanzlei Wegener mit der Regulierung von Parkplatzunfällen. Der springende Punkt dabei ist, dass hier die Regeln oft nicht ganz so klar sind, wie diese im fließenden Verkehr. Auf dem Parkplatz gilt vor allem eines: das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Auf andere Verkehrsregeln wie die Rechts-Vor-Links-Regel können Sie sich allerdings nicht verlassen. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Verkehrsregeln auf Parkplätzen – Gilt die StVO?

Im Folgenden wollen wir Ihnen erklären, wie und wann Sie einen Schaden bei der Versicherung melden sollten und aufzeigen, wie die Klärung der Schuldfrage und damit die Übernahme der Kosten für die Schäden bei einem Parkplatzunfall gehandhabt wird.

Meldung des Unfalls bei der Versicherung

Parkplatzunfälle müssen beim jeweiligen Versicherer gemeldet werden, damit die Versicherung des Verursachers die Kosten für die Schäden übernehmen kann. Sie können dies telefonisch tun, aber auch den Unfallbericht per Post zuschicken. Der Unfallbericht muss die Unterschriften beider Beteiligten enthalten – denken Sie immer daran. Bitten Sie um eine Eingangsbestätigung. Zudem gilt es auch bestimmte Fristen einzuhalten. In der Regel muss ein Parkschaden binnen einer Woche gemeldet werden, und zwar von beiden Seiten, dem Unfallverursacher und dem Geschädigten. Wird sich nicht an die Fristen gehalten, kann die Versicherung im Zweifelsfalle die Schadensregulierung in voller Höhe verweigern.

Tipp: Melden Sie den Schaden unverzüglich Ihrer Vollkaskoversicherung, auch wenn der Unfallverursacher versprochen hat, seine eigene Kfz-Haftpflicht zu informieren. Es mindert die Scherereien, sollte dieser das doch versäumen.

Parkplatzunfall – wer hat Schuld?

Bei einem Parkplatzunfall ist vor allem die Klärung der Schuldfrage besonders knifflig. Das liegt zum Einen an den abweichenden Verkehrsregeln auf Parkplätzen und zum Anderen aber vor allem daran, dass meist nicht bewiesen werden kann, ob eines der Autos zum Zeitpunkt des Unfalls nicht bewegt wurde. Wenn dies eindeutig bewiesen werden kann, dann übernimmt die Versicherung des Verursachers den Schaden meist in voller Höhe. Doch in vielen Fällen gehen die Versicherungen bei einem Parkplatzunfall von einer Haftungsquote von 50 zu 50 aus. Das heißt, die Versicherungen der Unfallbeteiligten regulieren jeweils die Hälfte des geltend gemachten Schadens. Das muss aber nicht sein! Es haben sich im Laufe der Jahre einige Praxisregeln hinsichtlich der Haftungsquoten bei einem Parkplatzunfall herausgebildet. Die wichtigsten stellen wir Ihnen kurz vor.

Rechts vor Links

Verletzt man im normalen bzw. fließenden Straßenverkehr die Vorfahrtsregeln, beispielsweise die Rechts-Vor-Links-Regel, dann tritt in der Regel die Alleinhaftung ein. Anders ist dies bei einem Parkplatzunfall. Hier kann nicht davon ausgegangen werden, dass der von rechts kommende Verkehrsteilnehmer Vorfahrt hat. Man muss jeder Zeit damit rechnen, dass ein Fahrzeug sich nicht an die Vertrauensregel aus dem normalen Verkehr hält. Daher bekommt man zumeist eine Mitschuld und somit eine Mithaftung von ungefähr 20 bis 25 Prozent.

Geschwindigkeitsüberschreitung

Laut § 3 der StVO (Straßenverkehrsordnung) ist der Fahrzeugführer angehalten, eine angemessene Geschwindigkeit einzuhalten. Auf Parkplätzen sollten Sie besonders umsichtig und besonnen und somit auch langsam fahren. Stetige Bremsbereitschaft und Schrittgeschwindigkeit werden hier als Maß angelegt. Oftmals sind Geschwindigkeitsbegrenzungen von maximal 10 Stundenkilometern per Verkehrsschild auf Parkplätzen vorgegeben. Da die eigentlichen Vorfahrtsregeln aus dem fließenden Verkehr ja auf Parkplätzen nicht allumfänglich gelten, man aber dennoch darauf Rücksicht nehmen muss, kann Ihnen, selbst wenn Sie bevorrechtigter Fahrer waren, durch die erhöhte Geschwindigkeit eine erhebliche Mithaftung drohen. Bis zu 100 Prozent sind möglich.

Parkplatzunfall beim Rückwärtsfahren

Beim Rückwärtsfahren gelten die gesteigerten Sorgfaltspflichten gemäß § 9 der StVO. Diese gelten gegenüber dem fließenden Verkehr. Es muss geprüft werden, ob der querende rückwärtige Verkehr gefahrenträchtig ist. Geschieht in solch einer Situation ein Unfall, kommt es zumeist zu einer Mithaftung des querenden Verkehrsteilnehmers in Höhe von 20 bis 25 Prozent.

Éinfahren von anderen Straßenteilen auf die Fahrbahn

Dem fließenden Verkehr kommt laut § 10 StVO ein Vorrang zu. Das spielt vor allem eine Rolle, wenn man aus einer Parkbucht ausfährt. Passiert so ein Unfall beim Aus-, Ein -oder Umparken fällt im Rahmen der Sorgfaltspflicht wieder eine anteilige Mithaftung des querenden Verkehrs von 20 bis 25 an. Die 20 bis 25 Prozent sind im Übrigen der normale Rahmen für eine einfache Betriebsgefahr.

Unfälle beim Ein- und Aussteigen

Ein typischer Parkplatzunfall ist auch die Kollision einer Autotür mit einem anderen Fahrzeug beim Aus- oder Einsteigen. Hier tritt fast nie der Fall ein, dass einer allein für die Schäden haftet, die dadurch entstanden sind. Es ist wichtig, die genaue Abfolge zu rekonstruieren. In vielen Fällen wird der Einfachheit halber eine Teilung der Haftung zu gleichen Anteilen geltend gemacht. Aber je nach Abfolge variieren hier die Haftungsquoten auch bis zu 80 zu 20 Prozent für den Türöffner, der nicht richtig aufgepasst hat. Es verbleibt aber immer eine 20-prozentige Mithaftung für den Einfahrenden, denn auch dieser ist der besonderen Sorgfalt verpflichtet.

Wie Sie gesehen haben, ist es manchmal gar nicht so einfach, einen Schuldigen bei einem Parkplatzunfall zu finden. Und es gibt noch wesentlich mehr Konstellationen, die einer genauen Prüfung durch die Versicherungen unterzogen werden. Daher ist es ratsam, nach einem Parkplatzunfall nicht nur die Versicherung zu informieren, sondern auch einen kompetenten Anwalt für Verkehrsrecht hinzuzuziehen. Wir von der Anwaltskanzlei Wegener prüfen den Vorfall gern für Sie und finden heraus, welche Aspekte des Hergangs zu Ihren Gunsten ausgelegt werden können. Sprechen Sie uns einfach an, wir helfen Ihnen gern!