Nach einer Entscheidung des OLG Oldenburg ist eine Haftungsquotelung von 50:50 gerechtfertigt, wenn es während eines Überholmanövers auf einer Autobahn innerhalb eines Baustellenbereichs zu einer Streifkollision zwischen einem überholenden Pkw und einem überholten Lkw kommt und sich nicht mehr aufklären lässt, welches der beiden Fahrzeuge die jeweils benutzte Fahrspur verlassen hat.

In dem vom Gericht entschiedenen Fall war die im Baustellenbereich vom Lkw genutzte rechte Fahrspur 3 m und die vom Pkw genutzte linke Fahrspur lediglich 2,50 m breit; bei mittiger Fahrweise verblieb den unfallbeteiligten Fahrzeugen ein Abstand von lediglich 25-30 cm zum angrenzenden Fahrstreifen.

Da trotz Einholung eines Unfallrekonstruktionsgutachtens nicht geklärt werden konnte, welches Fahrzeug seine Fahrspur verlassen hatte, konnte keiner der Unfallbeteiligten eine Unabwendbarkeit des Unfalls beweisen.

Das Gericht konnte in Folge des ungeklärten Ablaufs des Unfallgeschehens bei der nach § 17 Abs. 1 StVG gebotenen Abwägung der beiderseitigen Verursachung- und Verschuldungsbeiträge lediglich die von den unfallbeteiligten Fahrzeugen ausgehenden Betriebsgefahren berücksichtigen.

Das OLG Oldenburg kommt zu dem Ergebnis, dass sich aus der erheblich höheren Masse und Breite eines Lkw-Gespanns, welche gerade im Baustellenbereich einer Autobahn ein erhebliches höheres Gefahrenpotential aufweise, keine höhere Betriebsgefahr im Verhältnis zu einem überholenden Pkw ergibt, wenn dieser auf einer schmaleren Überholspur schneller als der Lkw gefahren wird.